Presseberichte

27.03.2012 | PNN

Premiere " Jetzt schlägts 30"

Andrea Meissner feiert ihr Bühnenjubiläum

Irgendwann schlägt jedem die 30. Das war in biblischer Zeit nicht nur der in Silberlingen gemessene Menschenwert, in seinem 30. Jahr kam auch David auf seinen Thron, traten Mose und Jesu auf den Plan. Eine bedeutende Zahl also. Bei Andrea Meissner ist das ein wenig anders, sie hat die 30 hinter sich: 30 Berufs- und Bühnenjahre als immerflotte Komödiantin mit Kabaretthintergrund, meist in Solo-Besetzung. Grund genug, dies am Wochenende mit einem Jubiläumsprogramm im Kabarett Obelisk zu feiern.

Für die Statistik: 30 Jahre Andrea Meissner bedeuten nicht nur drei Dezennien nervennagende und nervenzersägende Total-Subversion, sondern auch Teilnahme an mehr als 50 Programmen, 6000 Vorstellungen vor gut einer dreiviertel Million williger oder mutwilliger Opfer, die sich mindestens 500 ihrer Lieder anhören mussten. In ihrem Jubiläumsprogramm ?Jetzt schlägt?s Dreißig oder Am Tag als Frau Meissner kam? war die alerte Solistin wieder gut drauf, schrill im pinken Kurz-Kostüm, spendabel, wenn es etwas ins Publikum zu geben oder zu werfen gab (Eierlikörflaschen, bildreiche Tageszeitungen, Viagra-Imitate), bereit zu jedem Scherz ? und zum genussvollen Spiel mit dem Publikum, selbst wenn es Herrn Sebastian traf. Auch ein Kritiker bekam etwas ab, Fett nämlich: Sie haben mich das letzte Mal verrissen!

Nun ist Jubiläum etwas Jubelhaftes, keine Plattform fürs Philosophische. Partyzeit also! Zu sehen und zu hören war eine lebensfrische Sing- und Plaudertasche mit dem bekannten Sinn für geraden und krummen Humor, für kabarettistische Seitensprünge, auch fürs Frivole. Das Publikum, immer wieder zum Mitschunkeln, Mitsingen und Mitspielen animiert, begegnete guten oder weniger guten Weggefährten aus 12 Programmen: Die handelten von Eiertanz und Vogelgrippe, von vergessenen Zähnen und Küchenkapitänen, von Sexbomben und natürlich um ihren Liebsten, den Rudi. Ehe-Gauckler sind eher neu im Angebot.

Das Geselligkeits- und Stimmungsbarometer erreichte seinen Höhe- oder Siedepunkt, als das Publikum in toto aufgefordert wurde, den kollektiven Orgasmus zu üben. Da hatten ihre Fans die hellste Freude. Warum sie sich allerdings ausgerechnet im miefigen Potsdam so frei fühlt, wie sie behauptet, bleibt dafür eher rätselhaft. Einen alten Weggefährten hatte sie noch in petto, Hans-Jochen Röhrig in der Uniform von Friedrich II., welcher ja nur eine Null mehr auf seinem Buckel hat, doch was zählen Nullen schon am Rechenbrett! Hübsch gedacht diese Nummer, doch limonadenmatt gemacht. Ansonsten ist der 100-minütigen Sonderausgabe jener Person, die so schrill tremoliert, Synkopen in den Irrsinn jagt und dann auch noch jodelt, die ordnende Hand eines erfahrenen Regisseurs bestens bekommen. Witz und Worte bleiben sich zwar gleich, doch die Erfahrung lehrte auch sie, dass in ihren selbstbehaupteten Chaos-Räumen weniger mehr stets ist. In diesem Sinn: auf die nächsten 30 Silberlinge!

Gerold Paul

 

23.03.2012 | MAZ

Premiere Jetzt schlägts 30

Jetzt schlägt?s 30

Mit 30 Lieblingsliedern feiert Andrea Meissner ihr Potsdamer Leben seit 1982

Warum der Alte Fritz sie zu einem Leben an der Havel verführte, erzählt die Kabarettistin im Gespräch mit Ildiko Röd.

MAZ: Sie feiern Ihr 30-jähriges Potsdam-Jubiläum mit einem eigenen Programm: ein Potpourri Ihrer 30 Lieblingslieder. Aber auch Friedrich der Große taucht als Überraschungsgast auf. Wie kommt's?

Andrea Meissner (lacht): Hans-Jochen Röhrig ist so lieb und spielt den Alten Fritz, den wir aus der Gruft geholt haben. Friedrich feiert 300. Geburtstag. Ich feiere 30. Potsdam-Geburtstag. Es geht nur um eine Null mehr oder weniger. Und was ist schon eine Null? Nichts.

Angeblich verdanken Sie ja zu einem kleinen Teil dem Alten Fritz, dass es Sie nach Potsdam verschlagen hat?

Meissner: Ja. Als ich 14 Jahre alt war, machten meine Eltern mit mir von unserer thüringischen Heimatstadt Rudolstadt aus eine Busreise nach Potsdam. Ich verliebte mich spontan in die Schlösser, die Parks und wusste: Eines Tages will ich in dieser Stadt leben.

Dabei ist Rudolstadt mit seinem überdimensionalen Schloss auch nicht zu verachten. Außerdem gibt es ein kleines, feines Theater, an dem auch Goethe inszeniert hat.

Meissner: Ja, um Goethe rankte sich bei uns auch eine Familienlegende. Als Minister hatte er manchmal in der Ortschaft Berka zu tun, die er zum Kurbad erhob. Angeblich soll er dort auch intensivere Kontakte mit der Tochter eines Baumschulenbesitzers, einer jungen Blumenbinderin, angeknüpft haben ? mit Folgen. Tatsächlich sah meine Urgroßmutter, die angeblich Goethes Enkelin war, auf noch erhaltenen Fotos dem Meister ziemlich ähnlich: Nasenpartie, Augen.

Jede Menge Künstlerblut also. Wie entstand Ihr Wunsch, auf die Bühne zu gehen?

Meissner: Ich bin tatsächlich genetisch geprägt. Ob von Goethe, lässt sich natürlich nicht hundertprozentig nachweisen. Aber mein Großvater war ein Heldentenor, meine Großmutter Tänzerin. Meine ersten Bühnenerfahrungen als Kabarettistin hatte ich schon mit zwölf am Pionierkabarett  Sternschnuppen an meiner Schule. Später arbeitete ich am Rudolstädter Theater ein Jahr lang als Souffleuse, um die Zeit bis zum Studium zu überbrücken. Nach der Schauspielschule in Rostock ging ich 1980 ans Kabarett Kugelblitze in Magdeburg.

Wie klappte es dann mit dem Traum von Potsdam?

Meissner: In Magdeburg hatte ich meinen jetzigen Mann kennen gelernt er war mein erster Regisseur. Weil er aber in Berlin lebte, wollte ich auch in die Gegend.

Wie war es, in den 1980er Jahren in Potsdam Kabarett zu machen?

Meissner: Die Schwierigkeiten fingen an, als unser künstlerischer Leiter Matthias Meyer 1985 in den Westen abhaute. Er kam von einem Westbesuch bei seiner Mutter nicht mehr zurück. Ein Jahr später wurde ein Stück, was in den Ansätzen von Meyer entwickelt wurde, von der Partei aus politischen Gründen verboten. Volldampf voraus  hieß das Werk. Jedes einzelne Ensemblemitglied musste bei der Bezirksleitung antreten. Man verlangte von uns, dass wir uns von Meyers letzter Idee distanzierten. Manche taten es andere nicht. Ich hatte sechs Gespräche, bis hoch zum Genossen Jahn, weil ich mich nicht distanzieren wollte. Ich war geschützt durch meine Partei, die NDPD. Trotzdem schickte mich Jahn zur vierwöchigen Parteischule nach Caputh. Das war ein bissel doof.

Brachte die Wende große Veränderungen?

Meissner: Davor waren wir ja hauptsächlich Schauspieler gewesen, die einen vorgegebenen Text aufsagten. Nach der Wende war man verblüfft, was man machen konnte. Kollegen, die schreiben konnten, fingen an zu schreiben.

Mittlerweile ist Kabarett ja oft relativ politikfern mehr Nabelschau als Weltsicht.

Meissner: Ich finde Unterhaltung und Entspannung an sich nichts Schlechtes. Über Politik kann man auch in der Zeitung lesen. Solche Themen aufzugreifen, liegt mir auch nicht so, weil ich ja gelernte Schauspielerin bin und kein Schreiberling. Meine Gedanken verpacke ich am liebsten in Lieder, festgemacht am kleinen ?alltäglichen? Beispiel der Kleinfamilie. Wobei ich immer sage: Die Familie ist die kleinste Zelle der Gesellschaft. Das, was der einzelne erlebt, ist ja auch Politik: Steuern, Zahnersatz, Rabatte ? das geht uns alle, das geht viele an.

Sind die Potsdamer eigentlich ein gutes Kabarett-Publikum?

Meissner: Es ist ein Publikum, das nicht so leicht zu erobern ist, wie zum Beispiel das Leipziger Publikum, das alles sehr dankbar annimmt und schnell mitgeht. Aber wenn man die Potsdamer erobert hat, sind sie sehr treu. Mir macht es unheimlich Spaß, Zwiesprache mit dem Zuschauerraum zu halten. Und es ist mir wichtig, nach jeder Vorstellung am Ausgang zu stehen und mich von jedem einzelnen Gast per Handschlag zu verabschieden.

Sie waren 21 Jahre Ensemblemitglied am Kabarett Obelisk, danach traten Sie als Comedy-Duo fünf Jahre mit Tatjana Meissner auf. Jetzt sind Sie seit vier Jahren Einzelkämpferin. Ist das nicht anstrengend?

Meissner: Manchmal wird mir auf der Bühne alleine langweilig, so ganz ohne Ensemble. Aber ich habe ja meinen Tontechniker, der mir als ?Gerüchtsdiener? zur Seite steht, und eben das Publikum. Rückblickend sehe ich jede Etappe als Weiterentwicklung. Sowohl im Ensemble als auch mit Tatjana habe ich viel gelernt, das ich nicht missen möchte. Aber so, wie es jetzt ist, fühle ich mich sehr wohl.

Wie wird es weitergehen?

Meissner: Bis September spiele ich noch 30 Mal mein Jubiläumsprogramm. Außerdem werde ich natürlich auch künftig mit meinem ?Lesefreund? Hans-Jochen Röhrig Lesungen machen. Diese Zusammenarbeit macht unglaublichen Spaß. Und im Herbst werde ich für ein Stück ans Kabarett Obelisk zurückgehen: Mann und Frau intim , zusammen mit Helmut Fensch und darauf freue ich mich.

Die Premiere von :Jetzt schlägt's 30 am 24. März im Kabarett Obelisk ist ausverkauft, für die heutige Vorpremiere, 19.30 Uhr, und die Vorstellung am 25. 3., 19 Uhr, gibt es noch Karten.

04.03.2012 | MZL

Gerüchteküche brodelte im Landhaus

Kabarett mit Andrea Meissner in Lühnsdorf

LÜHNSDORF - Klein und rund sieht sie aus. Aber  ganz gekonnt verführerisch lässt sie die Hüften rollen: Bei Andrea Meissner heiligt der Zweck alle Mittel. Sie tanzte und wirbelte am Sonnabend im Lühnsdorfer Landgasthaus Alte Schmiede durch die Gerüchteküche und gab das Neueste aus Klatsch und Tratsch , aus Politik und allzu menschlichen  zum Besten.

Skandal Frau Meissner so hieß  das Programm der Potsdamer Kabarettistin und Entertainerin. Gesellschaftliche Lust daran gabt es ja wohl zur Genüge gemeinsam mit ihrem Publikum in der mehr als unterhaltsamen Show zu entdecken und zu erleben.. Die Vollblutkabarettistin aus Potsdam zelebrierte dies mit losem Mundwerk und dem Herz am rechten Fleck. Integre Vorbilder fehlen in Deutschland behauptet Andrea Meissner. Lieb gewonnene Menschen entpuppen sich oft als Egomanen oder Kriminelle, wie die Künstlerin ausführlich zu berichten weiß. Die Masse, also mithin Frau Meissner, orientiert sich ja nicht selten an den Oberen und wundert sich dann, wenn sie jäh in den Abgrund sehen muss. Bei Andrea Meissner ist obendrein das Umfeld schwierig. Sodom und Gomorrha in Gestalt von Rudi, ihrem Lebensabschnittsgefährten, machen der Gerüchtsvollzieherin ein wenig zu schaffen .

Was es darüber alles zu tratschen und zu klatschen gab konnte man an diesen Abend in der ausverkauften Schmiede erleben. Es war  nicht nur das Allerneueste, sondern das Allerbeste.Andrea Meissner brachte den Saal zum brodeln und nach drei Zugaben entließ Andrea Meissner ihr Publikum .

17.02.2012 | MAZ

Zum Valentinstag bei der Feuerwehr in Ludwigsfelde

Fehlende Zähne und Neues aus der Gerüchteküche

Komödiantin Meissner trat bei der freiwilligen Feuerwehr auf

LUDWIGSFELDE  Umjubelte Auftaktveranstaltung im neuen Jahr. Kunst und Kultur bei der Feuerwehr, diese Reihe war vom Förderverein der Freiwilligen Feuerwehr Ludwigsfelde initiiert worden. Die Besucher füllten am Dienstagabend den Saal an der Straße der Jugend bis auf den letzten Platz.

Sie könne nicht meckern, die Ludwigsfelder seien ein großartiges Publikum, sagte Andrea Meissner. Die Kabarettistin aus Potsdam ist hierzulande längst keine Unbekannte mehr. Sie ist mehrfach im Kulturhaus aufgetreten, auch als Duo Meissner & Meissner mit ihrer gleichnamigen Kollegin Tatjana.

Im neuen Programm lässt Andrea Meissner nun ihre Gerüchteküche brodeln. Angesichts der Eurokrise nimmt sie die Banken auf die Schippe. Versprechungen und Bürgschaften taugen nur so lange, bis die Regierung zurücktritt. Dann ist auch das letzte Gesparte futsch. Doch das sollte ihnen der Rücktritt schließlich wert sein, so eine Bankangestellte zum verunsicherten Kunden. Die Kabarettistin mischt Politisches mit allgemein Menschlichem und hat in jedem Fall die Lacher auf ihrer Seite. Pointe folgte auf Pointe, und ob Bernd und Petra, Conny oder Manfred, die Besucher des Abends mussten zum Mitmachen nicht erst aufgefordert werden. Andrea Meissners Spielfreude und ihr Temperament waren ansteckend. So kamen von den Zuschauern immer wieder spontane Einwürfe, die von der Kabarettistin aufgenommen wurden. Lauthals lachte Feuerwehrmann Marc Milke, als er gemeinsam mit Marcel Kläden der Komödiantin als kleines Dankeschön einen Plüschhund überreichte. Zahnlos das Kuscheltier, wie Rudi, der Ehemann des Superweibes, dem sowohl im Restaurant als auch bei der Porträtmalerei die Zähne fehlten. Rudi, du hast die Zähne vergessen, trällerte die Meissner nach der Melodie ,Du hast den Farbfilm vergessen, das Lied, mit dem einst Nina Hagen ihrem Michael grollte. Wem die Zähne ausfallen, der ist meistens im vorgerückten Alter, doch die Meissner tröstete singend: Drum nimm das alles nicht so schwer und denke stets daran, mit 70 fängt das Leben erst an.Und laut Statistik kommen in den nächsten Jahren auf einen Halbstarken drei Rentner, die ihn anzeigen. Auch nicht schlecht. Andrea Meissners Texte und Lieder das Ohr immer am allzu Menschlichen. 140 Auftritte stemmt die quirlige Frau, die im Genre Kleinkunst einen großen Namen hat.  (Von Gudrun Ott)

07.11.2011 | MAZ

Andrea Meissner in Woltersdorf

KABARETT: Vorn ist Vorsicht angebracht

Andrea Meissner verbreitet Gerüchte sehr zur Freude des Publikums

WOLTERSDORF - Wenn Andrea Meissner mit ihrem Programm Skandal Frau Meissner oder Neues aus der Gerüchteküche gastiert, sollten Männer sich nicht in die erste Reihe setzen. Der Luckenwalder Thilo Lehmann hat es Freitagabend in der Woltersdorfer Walkmühle hautnah erlebt, was da passiert. Dabei hatte er zuvor mit der Komikerin gesprochen und sie gefragt, ob er ganz vorn irgendetwas zu befürchten hätte. Doch Brandenburgs einzige Gerüchtsvollzieherin ist Profi und wiegte ihn in Sicherheit. Als sie ihm zu Beginn der Veranstaltung eine Flasche Eierlikör mit den Worten: ?Hier, der ist für Sie und Ihre Frau, weil Sie heute noch mitarbeiten müssen?, schenkte, war es zu spät. Von da an gehörte Herr Lehmann mit zum Programm.

Bei den Parodien und Gesangeinlagen ging es vor allem um eins Gerüchte streuen und verbreiten und das schrill, witzig und frech. Andrea Meissner lässt kaum ein Thema aus. Da bekommt Angela Merkel genauso ihr Fett weg wie Guido Westerwelle und Herr Lehmann.

Doch der sah die Sache ganz und gar locker und amüsierte sich. Ich war in Woltersdorf schon bei ihrem vorhergehenden Programm Meissner und Meissner, das hat mir gut gefallen, sagte er. Die Kabarettistin war zwar schon öfter in Woltersdorf, aber jetzt erstmals mit ihrem Soloprogramm. Ganz allein kam sie nicht. Sie hatte Techniker Timo Schöps im Schlepptau. Ich bin relativ unnervös. Sollte ich mal was vergessen, ist es nicht so schlimm, ich habe ja Herrn Schöps an meiner Seite, so die Entertainerin. Das Publikum war begeistert von der in Pink gekleideten Ulknudel.

Die Künstlerin hat eine bewundernswerte Energie. Man kann sich mitreißen lassen, und Lachen ist Therapie, so Sabine König.(mh)

05.10.2011 | PNN

Hausbesuch bei Andrea Meissner

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Dieses Lachen! Oder besser Lache, wie man hierzulande schnodderich sagt. Ein schrilles Stakkato in einer Tonlage, über die sich jede Sopranistin freut. Jedenfalls scheint es Andrea Meissner auch privat anzuhaften und nicht nur ihre Kunstfigur, die Gerüchtsvollzieherin, reißt damit jeden aus seinem schlechte-Laune-Karma. Es kann schon mal sein, dass sie daran unterwegs erkannt wird. Frau Meissner, Sie gehen auch bei Aldi einkaufen sei sie mal gefragt worden. Ja warum denn nicht, war ihre Antwort. Im Meissnerschen Haushalt, wo sie zum Hausbesuch empfängt, werde ab sofort noch mehr gespart, gibt die Kabarettistin freimütig zu Protokoll. Sohn Felix studiert in Dänemark, die Ausbildung zum Charakteranimateur ist teuer, die Förderung seines Zeichentalents ihr aber eine Herzensangelegenheit. Überall im Haus hängen Zeichnungen, Gemälde, uralte Familienfotos in ausgesuchten Rahmen. Ein Egon Kameke, den sie auf einem Sperrmüllhaufen gefunden hat, ebenso wie die Likörette von Lindenberg. Mein Sohn zeichnet zehn Stunden am Tag, will unbedingt mal zu Disney, sagt sie.

Auch Andrea Meissner wusste frühzeitig, was sie wollte. Dass ich lustig sein konnte, spürte ich mit 12 Jahren, damals im Pionierkabarett. Im Künstlerhaushalt ihrer Großmutter, einer Ballettmeisterin, gibt es immer Untermieter. Schauspieler, Sänger, jedes Wochenende geht es ins Theater oder die Oper. Sie macht ganz bodenständig nach der Schule eine Ausbildung in der Landwirtschaft und bewirbt sich dann an Schauspielschulen. Zwei mal rasselt sie durch die Prüfung, erst durch ihre Arbeit als Souffleuse am Theater ihrer Heimatstadt Rudolstadt bekommt sie einen Studienplatz in Rostock.

Ich durfte aber keinem sagen, dass ich ans Kabarett wollte, das war verpönt, sagt sie heute und lacht darüber. Dabei sei sie wie Gold gehandelt worden, sie war jung, frisches Blut für die meist älteren Herrschaften in den Ensembles. Ihr erstes Engagement ist bei den Kugelblitzen in Magdeburg, der Regisseur rät ihr bald, noch Gesangsunterricht zu nehmen. Es gab noch keine Head Sets, man musste sich auf seine Stimme verlassen können, erinnert sie sich. Die Kammersängerin Anneliese Rau zeigt ihr Bauchatmung und Koloratursingen, bis heute profitiert sie von diesen Fähigkeiten, wenn sie in ihren Programmen ein Lied nach dem anderen schmettert.

Seit 1982 ist sie in Potsdam. Ihren Regisseur aus Magdeburger Zeiten, Harald Siegfried Engelmann, hat sie schließlich geheiratet. Engelmann, wie sie ihn nennt, weil sich beide nicht auf einen seiner Vornamen einigen konnten, wird engster Berater und Muse, ihre Fundgrube, wenn es um Beziehungsthemen geht. Der fiktive Ehemann der Bühnenfigur Meissner, der dicke Rudi, muss herhalten für männliche Zipperlein und unschöne Alterserscheinungen. Aber Engelmann trage es mit Humor, ist sie sicher. Oft sitzt er ? manchmal überraschend ? in der letzten Reihe im Saal des Kabarett Obelisk und gibt ihr wichtiges Feedback. Im kommenden Jahr wird die Meissner ihr 30-jähriges Potsdamer Bühnenjubiläum feiern, arbeitet bereits am neuen Programm mit dem Titel: Jetzt schlägt?s 30 oder am Tag als Frau Meissner kam. Dann sitzt sie konzentriert mit Hund und Katzen im Arbeitszimmer, sortiert ihre Best Ofs, und sucht nach neuem Stoff. Gern wird sie zotig und direkt, die Grenze zur Peinlichkeit scharf auslotend. Wer genau hinhört, wird dennoch merken: Andrea Meissner liegen auch ernsthafte, tiefer gehende Probleme am Herzen. Sie packt ihr politisches Kabarett in die Hülle der Kleinfamilie, der kleinsten Zelle der Gesellschaft. Aber man kann ja so wenig ändern ? ich sag immer: Macht?s euch hübsch und seid nett zu einander! Schwierig wird es, wenn sie von der Realität eingeholt wird.

Drei Tage nach der Fukushima-Katastrophe im März hatte sie Premiere und wusste nicht, ob und wie sie darauf eingehen sollte. Als einige Zuschauer Leuchtstäbe herausholten, reagierte sie spontan: ?Ich sehe, sie haben Ihre Brennstäbe dabei!? Genug, um daran zu erinnern, ohne Plattitüden zu liefern. Überhaupt muss sie spontan sein können: Die ersten zehn Sekunden einer Show, während sie das Eingangslied singt, nutzt sie zum ?Abscannen? ihres Publikums. Sucht sich ihr Opfer in der ersten Reihe, das dann zur Entschädigung für die aufgedrückte Mitarbeit am Eierlikör nippen darf. Nicht jedem gefällt das, aber sie habe auch schon mal nach der Vorstellung Blumen dafür bekommen.

So allein auf der Bühne steht sie noch nicht lange, viele Jahre hat sie mit ihrer Kollegin und Namensvetterin Tatjana Meissner als Duo gearbeitet. Aber immer nur über Sex reden, reduziert auf die dicke Naive, das wollte sie auch nicht. Nun ist sie seit fast einem Jahr Potsdams Gerüchtsvollzieherin, tratscht jenseits aller Schmerzgrenzen. Die Themen liest sie in ihrem Alltag auf, hat stets ein Notizbuch in Reichweite. Hemmungslos verballhornt sie Schlager und Neue Deutsche Welle mit witzigen Sprachschöpfungen und Umdichtungen, die praktisch jedes Zwerchfell erschüttern, oft kombiniert mit schrägen Outfits, da hat sie auch schon mal ein Huhn auf dem Kopf.

Ob es etwas gibt, was sie nicht tun würde? Hotpants und lustige Tänzchen, das geht nun mit Cellulite nicht mehr, sagt sie. Und keine Witze über Randgruppen, Stotterer, Rollstuhlfahrer. Sie hat jahrelang ihre gelähmte Mutter gepflegt, das ginge ihr zu nah ? obwohl Behinderte einen großartigen Sinn für Humor haben, findet sie. Sie bleibt bei ihrer fiktiven Kleinfamilie, Mann Rudi samt adipöser, pubertierender Tochter Chantal. Ob etwas gut ankommt, spürt sie während der Vorstellung, notfalls wird improvisiert, muss der Mann an der Technik halt aufpassen. Liveauftritte mag sie mehr als fürs Fernsehen zu arbeiten, zu wenig Zeit zum Üben vor der Show, zu hektisch das Ganze. Sich auf vier Kameras gleichzeitig konzentrieren und vom Teleprompter ablesen, das sei zu stressig. Am liebsten sind ihr Auftritte in Potsdam und Umgebung. Ist doch schön hier, viele Kinder und Schwangere, und wenn sich die Politiker jetzt noch über das neue Bad einigen könnten.

PNN  Steffi Pyanoe


10.04.2011 | LVZ Juliane Locher

Leipzig Premiere


 
Flotte Sprüche der schrillen Andrea Meissner

Ja, sie ist schon eine energische Dame, diese Andrea Meissner. Daran lässt zumindest ihr herrschaftliches, keinen Widerspruch duldendes Auftreten keinen Zweifel. Mit schriller Stimme und einem Gläschen Eierlikör in der Hand ließ die Künstlerin am Donnerstag erstmals Interessierte in die brodelnden Töpfe ihrer "Gerüchteküche" schauen.
In ihrem Eine-Frau-Betrieb mit dem zeitgemäßen Namen "Klatsching & Tratsching" kümmert sie sich engagiert von Berufs wegen um die Aufrechterhaltung des Informationsflusses. Kein Blatt nimmt sie vor den Mund - außer der Bild-Zeitung, jener nie versiegenden Nachrichtenquelle, woraus die Frau immer wieder Unglaubliches zitiert.
Von der Renten- und Krankenkasse bis hin zur sozial verträglichen Entsorgung von Fettsüchtigen und Alkoholikern, von plärrenden Babys bis zu den heillos Überalterten und den köstlichen Pflegejahren zwischen 90 und 110 wird ein kühner Bogen geschlagen. Kurzum, Meissner weiß Bescheid und gibt auch gern absurd-schwarzhumorige Tipps: Magersüchtige sollen den Gürtel enger schnallen, Beinamputierte müssen kürzer treten.
Damit der Buschfunk flutscht, treibt sie die Zuschauer ordentlich an: Ja, ihr müsst auch ein bisschen mitmachen! Aus dem Publikum schnappt sie sich einen willigen Herrn, der den ganzen Abend lang assistieren muss, und in den ersten Reihen verschont Frau M. niemanden, wenn sie Mitstreiter sucht. Am Ende weiß jeder, dass mit der ulkigen Dame, die auch in allen Tonlagen singt, ordentlich zu spaßen ist - und lernen kann man flotte Sprüche, zum Beispiel: Liebe dich selbst, dann können die andern dich gern haben.

 

04.04.2011 | Uckermark Kurier Prenzlauer Zeitung

Potsdams Gerüchtsvollzieherin Frau Meissner im Kloster

Artikel vom 04.04.2011
In der Gerüchteküche brodelt auch Eierlikör

(Prenzlau (MS)

"Unsere Angela. Sie kennen doch Angela, die soll doch hier um die Ecke wohnen..." Mit Klatsch, Tratsch und Comedy unterhielt Andrea Meissner das Prenzlauer Publikum aufs Köstlichste. Der Kleinkunstsaal bog sich förmlich vor bauch- und zwerchfellhaltenden, tränentrocknenden und juchzenden Damen und Herren. Die Potsdamerin vom "Obelisk"-Kabarett schaffte es mit "Frau Meissners Gerüchteküche", auch den letzten Uckermärker aus der Reserve zu locken, ja sogar Eierlikör trinken zu lassen. Ein halbes Wasserglas voll für den Herrn in der ersten Reihe, die halb gefüllte Flasche für die Frau Meissner plumper hätte kein Annährungsversuch sein können. Doch im Kleinkunstsaal klappte das, vom feixenden Nachbarn beklatscht. Mit einem Feuerwerk an Gags und Wortakrobatik, aus der Zeitung, die mit den großen Bildern, lesend, schaffte es die Frau in Minutenschnelle die Zuschauerfront zu lockern. Coverversionen von der "Kleinen Kneipe" bis zum "Banküberfall" wurden mitgesungen und geschunkelt.

Seit drei Jahrzehnten ist Andrea Meissner im komischen Geschäft. "Ich mache kein Kabarett, sondern Musikcomedy", stellt sie klar. Dazu greift sie mitten ins pralle Leben, scheut den Griff in die Klamaukkiste nicht - etwa wenn sie zur Pause Klopapier verteilt. Auch das im Preis inbegriffen, genauso wie die Schachtel Konfekt, die sie durchreichen ließ mit der Bemerkung "Greifen Sie zu, den Zucker können Sie wieder runterspritzen". Munter reiste sie durch die Politiker-Landschaft, ließ die Nicht-Frau von Guido Westerwelle und die 40 Jahre jüngere von Franz Müntefering genauso wenig aus wie den kleinen Gesundheitsminister. Rauchen soll ja gar nicht schädlich sein. Der Staat kassiert fleißig Steuern, so wie auch beianderen Süchten.

Soloprogamm heißt bei der in Rudolstadt geborenen Entertainerin nicht, allein zu agieren. Da muss "Techniker" Timo Schöps genauso ran wie Rudi, ihr Mann. Auch das Publikum findet sich mitten im Geschehen wieder - und verlässt schließlich aufgekratzt Andrea Meissners Gerüchteküche. Es wäre schön, wenn sie den Prenzlauern auch ihr neues Programm "Skandal... Frau Meissner" zeigen würde.

03.04.2011 | MAZ, von Lothar Krone

BÜHNE: Kicherwunder im Notenwald - Jubel für Meissners Gerüchteküche

POTSDAM / INNENSTADT - Andrea Meissners Programm Frau Meissners Gerüchteküche, einem der gängigen Ulk-Formate zuzuordnen wäre Nonsens. In den vergangenen Tagen hat sie schon einige Vorstellungen absolviert, und auch am Dienstagabend war das Kabarett Obelisk wieder gut gefüllt. Wirtschafts- und Finanzkrise hin, Winterdepressionen her, der Potsdamer gackert gern und sucht im Schutzraum Kabarett sogar kostenpflichtig nach Ablenkung vom Alltagselend.
Gönnen wir unseren Bürgern diesen Hauch von Leichtlebigkeit und wenden uns der Frage zu, warum am Dienstag in der Gerüchteküche so exzessiv gelacht wurde. Handelte es sich um Komik und ? ist diese Frau Meissner das schöne Geld auch wert . Um es vorweg zu nehmen, den Leuten wurde tatsächlich ?ne Menge geboten.

Mit einer schrillen, die Peinlichkeitsgrenze weit hinter sich lassenden Kostümierung war natürlich zu rechnen. Kleid, Frisur sowie die, Pardon!, nicht ganz optimale Figur erzeugten im Saal das stimmungshebende Gefühl: da seh? sogar ich besser aus. Das grenzwertige Outfit belebte sich zusätzlich durch die von Meissner-Fans so bewunderte, kreischend durch den Notenwald fegende Stimmlage der Tonakrobatin. Und Lieder gab?s im Dutzendpack zu hören. Allesamt wohl private Ohrwürmer der Meissner.
Operette und Elvis, Tom Jones und Amy Winehouse. Apropos Winehouse: Ja Amy, die quietschbunte, ständig besoffene kleine Frau mit der großen Stimme. Meissner spielte einen verwackelten Videofilm ein, der sie als Winehouse verkleidet durch das verrümpelte Zuhause torkelnd zeigte. Eben noch auf der Leinwand, stand die Amy Meissner-Karikatur plötzlich auf der Bühne und sang. Es blieb nicht die einzige Abweichung von der Normalität.

Oft hatte man das Gefühl die immer auf Blickkontakt spielende Gerüchtsvollzieherin zöge es magisch ins Publikum. Mal rekrutierte sie sich ihre Mitspieler aus der Besatzung der ersten drei Sitzreihen, dann stieg sie bewaffnet mit Eierlikör und Pralinen in den Saal, beköstigte die Laienspieler. 
Themen des Abends waren menschliche Defekte wie Ehe und Nikotingenuss, auch Sportarten wie Politik und Sexualität. Die größte Überraschung aber war die schier unglaubliche Tatsache, dass es Meissner mehrfach schaffte eine komplette Saalladung Deutscher zu geordnetem, melodischem Gesang zu bewegen. Wahnsinn!3 Zugaben !

28.03.2011 | Der Potsdamer, Frank Weber 2011

Andrea Meissner als "Die Gerüchtsvollzieherin" begeisterte mit ihrem neuen Programm

Das Potsdamer Kabarett Obelisk war am Premierenabend  bis auf den letzten Platz ausverkauft und wenn es sich rumspricht und die Gerüchteküche brodelt- wird man wohl oder übel ab jetzt mit der "Gerüchtsvollzieherin" rechnen müssen.
"Im Falle eines Falles ich verbreite Alles"

Dieser Werbespruch der Gerüchtsvollzieherin zieht sich wie ein roter Faden durch 90  Minuten beste Comedy- Unterhaltung.
In ihrem Eine-Frau-Betrieb mit dem zeitgemäßen Namen Klatsching & Tratsching ,kümmert sie sich engagiert von Berufs wegen um die Aufrechterhaltung des Informationsflusses. Kein Blatt nimmt sie vor den Mund - außer der Bild-Zeitung, jener nie versiegenden Nachrichtenquelle, woraus die Frau immer wieder Unglaubliches zitiert. Von der Renten- und Krankenkasse bis hin zur sozial verträglichen Entsorgung von Fettsüchtigen und Alkoholikern, von plärrenden Babys bis zu den heillos Überalterten und den köstlichen Pflegejahren zwischen 90 und 110 wird ein kühner Bogen geschlagen. Kurzum, Meissner weiß Bescheid und gibt auch gern absurd-schwarzhumorige Tipps: Magersüchtige sollen den Gürtel enger schnallen, Beinamputierte müssen kürzer treten.

Andrea Meissner spielt sich in einen Rausch und agiert und interagiert mit dem Publikum. Sie singt und lacht sich gemeinsam mit den Publikum durch diesen Abend. Sie wechselt in ihrem neuen Programm von Wort- zu Musik- und Tanzeinlagen.
Ob Coverversionen von Trude Herr,Peter Alexander oder extra für diesen Abend neu geschriebenen Titeln.

Verblüffung wie zusätzliche Begeisterung erzeugt Andrea Meissner auf der Bühne durch ihre unglaubliche Spielfreude, Improvisationstalent?im permanenten Kontakt mit dem Publikum.
Comedy und  Kabarettqualitäten der besonderen Art sowie der sich übertragende Spaß ihrer eigenen Präsenz von der Bühne herunter auf alle, die ihr zuhören.

Mal schrill, mal keck, auch verrucht, dann wieder unterhaltsam und hoch musikalisch wirkt Frau Meissner energetisch aufs Publikum, ihre ganze Persönlichkeit "on stage" ist entwaffnend. 
Überzeugen sie sich selber und haben sie Spass. Das ist etwas ,was man sehen will und muss! Hier werden sie aufs Beste unterhalten.

23.03.2011 | MAZ

Premiere: " Skandal ...Frau Meissner "

KABARETT: Reifenwechsel am Rollator

Andrea Meissner im Obelisk

POTSDAM / INNENSTADT - Schnelllebig ist das Entertainmentgeschäft. Skandalnudel Andrea Meissner hatte bis zuletzt in der Gerüchteküche gestanden.

Der rote Faden sind die Bild-Schlagzeilen, Meissners Klatsch und Tratsch kommen gratis dazu. Ihre Fans im ausverkauften Kabarett Obelisk outen sich mit Leuchtstäbchen.

Aha, ich sehe, ihr habt eure Brennstäbe gleich mitgebracht, so Meissner. Sonst sind kleine Spitzen in Sachen Erdbeben-Katastrophe zurückhaltend und feinfühlig ins Programm gewoben. 

An diesem Abend müssen die Männer dran glauben: als Kassenpatient, seniler Gatte, oder einfach nur übergewichtiger Ehemann mit eigener Postleitzahl.

Wenn die Damen im Parkett den Prosecco vor Lachen fast verschüttet haben, kommt das nächste Lied.

Das Opfer aus der ersten Reihe, Mario,  ein sympathischer Herr im besten Alter mit Bauchansatz, darf dazu die Rasseln schwenken, dafür gibt's einen Eierlikör.

Überhaupt sind die Lieder feinsinnig und doppelbödig, Meissner hat die Hits der  Siebziger und Achtziger geplündert, aus dem Bett im Kornfeld wurde,Wenn's Fett nach vorn fällt, Du hast die Zähne vergessen ein Nina-Hagen-Plagiat.

Mit siebzig fängt das Leben erst an, das weiß sie, seit sie ihren Rudi den Reifenwechsel am Rollator hat machen sehen.

Ihr Mann Rudi, Vorbild und doch wieder nicht für manches armselige Würstchen im Programm, sitzt hinten im Publikum und wird zum Schluss mit Sprechchören aufgerufen.

Komm, steh mal auf, bittet die Meissner ihren Mann und Regisseur.

Standing Ovation ,Trampeln und drei Zugaben .

Steffi PyanoeMAZ 2011

15.01.2011 | MAZ Potsdam

Hans- Jochen Röhrig und Andrea Meissner

LITERATUR: Ostpreußischer Paarlauf

Schauspieler Hans-Jochen Röhrig und Kabarettistin Andrea Meissner lesen Siegfried Lenz

Sie kennen sich schon seit Jahren, doch jetzt hats gefunkt ? künstlerisch. Hans-Jochen Röhrig erzählt im Gespräch mit Ildiko Röd über gemeinsame Pläne mit Andrea Meissne,die Wiedergeburt seiner HOT-Matineen und das rollende R im Ostpreußischen.

MAZ: Sie und Frau Meissner sind jeweils für sich echte Größen in der Potsdamer Kulturlandschaft.Wie haben Sie zueinander gefunden

Hans-Jochen Röhrig: Wir haben schon mal vor vielen Jahren zusammengearbeitet, als wir in Jena gemeinsam eine Verballhornung von Shakespeares Sommernachtstraum auf die Bühne brachten. Eine für uns unvergessliche Aufführung,weil das Theater von Jena damals teilweise abgerissen worden war. Der eiserne Vorhang war das Ende der Bühne. Dahinter genoss man nach dem Ende der Vorstellung die Aussicht auf ein Feuerwerk.

Wie kam es dann zur beruflichen Wiederannäherung

Röhrig: Eines Tages besuchte ich ein Bühnenprogramm von Andrea Meissner und saß unvorsichtigerweise in der ersten Reihe. Natürlich ereilte mich das übliche Schicksal der Ersten-Reihe-Gäste, ich wurde von ihr tüchtig in die Mangel genommen. Das wollte ich ihr eigentlich übel nehmen, aber als wir uns das nächste Mal trafen, antwortete sie auf meine Anschuldigungen nur:Lass uns doch mal ein gemeinsames Programm machen.

Sie haben sich nun für Geschichten aus dem Erzählband:So zärtlich war Suleyken,des berühmten Schriftstellers Siegfried Lenz entschieden,der mit dem Roman Die Deutschstunde berühmt geworden ist. Weshalb

Röhrig: Ich verdanke den Hinweis Frau Bormann von der Urania. Nachdem ich Lenz Geschichten gelesen hatte, war ich fasziniert. Skurriler und grotesker als diese Figuren sind, geht es nicht. Da ist zum Beispiel die Geschichte von der Tante, die mit ihren beiden Neffen eine Landfahrt macht und dabei allerlei Kurioses erlebt. Unter anderem spielen ein Badezuber und ein bewegungsunwilliger alter Mann eine Rolle. Dieselbe Tante taucht auch in einer anderen Geschichte auf:Ein angenehmes Begräbnis.

Die Geschichten spielen in Ostpreußen. Kommt das auch im Vortrag zur Geltung?

Röhrig: Ja. Lenz stammte ja aus dem Masurenland. Er schrieb aber natürlich nicht im Dialekt, sondern auf Hochdeutsch. Deshalb werden wir den Erzähltext auf Hochdeutsch lesen die wörtliche Rede aber auf Ostpreußisch.

Kommen Sie mit diesem Dialekt klar?

Röhrig: Als ich das Ostpreußische mal auf der Bühne parodiert habe, erntete ich keine Lobeshymnen. Jetzt habe ich mir aber eine CD gekauft und mir ein Regelwerk daraus erstellt. Das Ostpreußische hat ja eine ganz bestimmte Sprachmelodie. Das R wird gerollt das  e  oft als  a  gesprochen.

Was schätzen Sie an Ihrer Lesepartnerin Andrea Meissner besonders?

Röhrig: Dass sie sehr komödiantisch ist. Außerdem ist sie in einer besonderen Weise in der Lage, auf jede Reaktion vom Publikum einzugehen.

Wird man Sie auch künftig gemeinsam auf der Bühne erleben können?

Röhrig: Ganz fest eingeplant ist bereits eine sommerliche Lesung in der Beelitzer Schmiede. Auf dem Programm steht:Das Fest in Coqueville von Zola.

Seit vielen Jahren sind Sie wegen Ihrer ganz besonderen Gabe für das Vorlesen ein Publikumsmagnet. Ihre Matineen im Hans-Otto-Theater waren für viele Potsdamer Pflicht. Mit der Intendanz von Tobias Wellemeyer endeten diese Auftritte ziemlich abrupt. Hat das wehgetan

Röhrig: Nein, in Brandenburg und Oranienburg gingen die Matineen ja weiter mit Schauspielern des HOT. Und seit Mai 2010 gibt es die Märkischen Matineen ja auch wieder im HOT selbst nun aber im oberen statt im unteren Foyer. Am 27. Februar findet um 11 Uhr die nächste Lesung statt:Die Hosen des Herrn von Bredow. Der von mir bearbeitete Text wird von den HOT-Schauspielern Florian Schmidtke, Nele Jung und Jan Dose gelesen.

Ein wesentlich kleineres Haus als das HOT ist ja ,wie der Name bereits sagt , die Kleine Bühne Michendorf, wo Sie am Wochenende auftreten.

Röhrig: Den Wert von Theaterarbeit kann man doch nicht an der Größe der Spielstätte bemessen. Siegfried Patzer hat mit der Kleinen Bühne bislang schon Großes in Michendorf geleistet. Man muss bedenken, dass Berlin oder Potsdam mit den Kulturangeboten ja nur einen Katzensprung entfernt sind. Dennoch sind viele Vorstellungen ausverkauft. Ich bin von der besonderen Ausstrahlung des Hauses sehr beeindruckt.

Am 16. Januar um 15.30 Uhr lesen Andrea Meissner und Hans-Jochen Röhrig in der Kleinen Bühne im Volkshaus, Potsdamer Straße 42, Michendorf.

26.10.2010 | MAZ,von Fritz Hermann Köster

Orangerie Oranienburg

KABARETT: Die Gerüchtsvollzieherin

Andrea Meissner klatscht und tratscht in der Orangerie

ORANIENBURG - Wer zu spät kommt, den bestraft die Kabarettistin. Ich begrüße auch die Unpünktlichen, sagt Andrea Meissner zu den jungen Damen, die vergangenen Sonnabend wenige Minuten nach Beginn der Vorstellung in die sehr gut besuchte Oranienburger Orangerie gefunden haben.

Vermutlich 7. Klasse, witzelt sie. Etwas übertrieben, aber eigentlich auch egal, denn Klatsch und Tratsch interessiert Frauen jeglichen Alters. Genau darum geht es in Frau Meissners Gerüchteküche. Alles selbstverständlich streng vertraulich, bitte nicht weitersagen. Eigentlich ist die Quelle ihrer brisanten Informationen auch streng geheim, aber sie ist ja nicht so ? und wedelt mit der Bild-Zeitung. Es müssen ja nicht immer nur Promis und Politiker sein, an denen sich Kabarettisten abarbeiten. Warum nicht auch mal Axel Cäsar Springer, der Urenkel des Lügenbarons Münchhausen.

Was haben seine Bediensteten gerade geschrieben? Mutter dreht Kinder durch den Fleischwolf. Und Bild sprach mit den Würstchen. Was, das glaubt keiner? Hier, zum Nachlesen. Die Gerüchtsvollzieherin schmeißt mehrere Exemplare des nicht unumstrittenen Druckerzeugnisses ins Publikum. Aber bitte gerade halten, mahnt sie, sonst tropft noch das Blut heraus. Die Galle geht mir hoch, posaunt sie singend ihren Unmut über das Boulevardblatt heraus.

Die herrlich schrille Person in dem etwas zu bunten Kleid und den etwas zu pinkfarbenen Strümpfen witzelt, schwadroniert und parodiert. So mimt sie mit englischem Akzent und schwarzer Perücke Amy Winehouse.

Zudem dürfte Andrea Meissner wohl eine der gastfreundlichsten Kabarettistinnen der Republik sein. Sie verteilt Pralinen, bitte nur eine herausnehmen und weiterreichen und bietet sogar ein paar Gläser mit Eierlikör an. Die Stärkung tut not, denn bei ihr müssen die Zuschauer etwas leisten, besonders die in den ersten Reihen. Gnadenlos holt die gebürtige Thüringerin einen Herren auf die Bühne, der ihr Blumen überreichen darf. Die Leute lachen und klatschen nicht nur, sondern singen auf Kommando brav mit.

Zur Belohnung stellt die 53-Jährige eine Denksportaufgabe, für alle. Sie leiert die Definition von Dementi herunter. Nicht verstanden? Dann war es wohl ein politisches Gerücht. Warum, raunt sie, zwingt sich Merkel in die zu engen Hosenanzüge? Sie ist die uneheliche Tochter von Helmut Kohl. Schaut her, ich bin es, eure Kohlroulade, äfft sie die Kanzlerin nach. Und Franz Müntefering ist auch nur zurückgetreten, um seine 40 Jahre jüngere Frau aus dem Kindergarten abzuholen.

Da fällt ihr spontan ihre Tochter ein. Chantal Dolores qualmt trotz ihrer zarten zwölf Jahre wie ein Schlot:Früher standen in ihrem Zimmer lauter Babyphone, heute sind es Rauchmelder. (Von Fritz Hermann Köser)

07.08.2010 | MAZ Potsdam

ENTERTAINMENT: Gerüchte im alten Schmiedehof

 

Andrea Meissner zeigt morgen in Beelitz ihr neues Soloprogramm  Am nächsten Stück arbeitet sie schon

BEELITZ - Zunächst einmal ist es kein Gerücht: Die Potsdamer Entertainerin Andrea Meissner zeigt wirklich morgen im Schmiedehof in der Beelitzer Poststraße 14 ihr neues Soloprogramm. Das können jene bestätigen, die noch eine Karte für die Abendveranstaltung ergattert haben, und jene, die sich kurz darauf den Eintritt zur Zusatzvorstellung am Nachmittag sichern konnten. Mehr als dreißig Mal hat Frau Meissners Gerüchteküche seit der Premiere im Frühjahr im Potsdamer Kabarett Obelisk und auf dem Theaterschiff an der Alten Fahrt die Klatsch- und Tratschsüchtigen in die Kulturtempel gelockt.

Auch Beelitz ist für die Potsdamerin mittlerweile ein Heimspiel. Vor elf Jahren hat Andrea Meissner die Kleinstadt zum ersten Mal kennen gelernt und sich sofort in sie verliebt. Dreimal im Jahr öffnet sie gemeinsam mit Hans-Jochen Röhrig die Beelitzer Schmökerkiste und holt aus ihr so manche spannende Literatur für eine Leseprobe am Schmiedefeuer heraus. Ihr Engagement für die Kultur in Beelitz brachte ihr inzwischen den Vorsitz im Verein der Freunde und Förderer der Kunst in Beelitz ein.

Nach der Trennung von Namenskollegin Tatjana Meissnerdie Ansichten über die gemeinsame künstlerische Zukunft des Duos Meissner und Meissner waren wohl doch zu unterschiedlich?will Andrea Meissner nun für die nächsten mindestens fünfzehn Jahre mit der Gerüchtsvollzieherin  leben, die aus einer persönlichen Erfahrung heraus ins Leben trat. Eine Information,die Meissner im Bekanntenkreis weitergab,kehrte mit völlig neuem Inhalt und als Gerücht zu ihr zurück.Da erkannte Meissner,wie leicht sich Halb- und Unwahrheiten streuen lassen,und setzt nun diese Erkenntnis künstlerisch um.

Die Gerüchtsvollzieherin ist die sonst lästige Nachbarin von nebenan oder schräg gegenüber,vor deren Klatsch und Tratsch niemand sicher ist,die aber gern dazu in ihr Wohnzimmer einlädt.Dieses Bühnenbild erzeugt eine Atmosphäre der Vertrautheit,der verschworenen Gemeinschaft gegen den Rest der Welt da draußen,und die zieht dann über alle und alles herüber Renten-und Krankenkassen,Fettsüchtige und Alkoholiker,plärrende Babys und heillos Überalterte.Schon nach kurzer Zeit schlägt sich das Publikum auf Meissners Seite,lacht und tanzt mit ihr.Meissner sieht dabei direkt in die Gesichter ihrer Gäste und merkt,wenn ein enttäuschter Besucher Kabarett erwartet hatte.Doch sie will die Leute nicht bekehren. Ihr Programm ist Unterhaltung, ist Comedy, ist Improvisation und Show.

Ihr Spiel offenbart das handwerkliche Können der studierten Schauspielerin, das viele junge Comedians heute vermissen lassen.Aber das Überangebot an teilweise selbst ernannten Unterhaltungskünstlern hat auch die Ansprüche des Publikums fallen lassen.

Vier Monate lang hat Andrea Meissner ihre Gerüchteküche eingerichtet und ist noch immer nicht mit dem Renovieren fertig. Wenn sie merkt, dass eine Pointe nicht sitzt, eine Moderation zu lang oder ein Fakt nicht mehr stimmt, schreibt sie Details zwischen den Auftritten um. Selbst im Urlaub bastelt sie an der Karriere ihrer Gerüchtsvollzieherin, die auch im nächsten Programm wieder alles niedertratscht und klatscht, was ins Bild passt. Skandal ... Frau Meissner, wird das neue Programm heißen, das im März des nächsten Jahres Premieren haben soll.

Wer die Meissner morgen in Beelitz nicht sehen kann,hat am 3. und 4. September im Potsdamer Kabarett oder am11. und 12. September auf dem Theaterschiff eine neue Chance. In Beelitz wird sie am 11. September wieder mit Hans-Jochen Röhrig am Schmiedefeuer sitzen und lesen. Auch die anderen Veranstaltungen des Beelitzer Kulturvereins,wie beispielsweise mit Wolfgang Trepper vom Quatsch Comedy Club Berlin, versprechen echte kulturelle Leckerbissen zu werden. (Von Heinz Helwig)

 

 
 

 

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